kontrollverlust
Wenn das Ungeplante führt
Kontrolle gibt Sicherheit. Sie ordnet, strukturiert, lenkt.
Doch was passiert, wenn sie nachlässt – wenn Linien ausfransen, Entscheidungen kippen, der Zufall sich einmischt?
Kontrollverlust beschreibt genau diesen spannungsreichen Moment zwischen Halt und Hingabe. Einen Zustand, in dem Gewohntes ins Rutschen gerät und gerade dadurch etwas Neues entsteht. Nicht als Scheitern, sondern als Öffnung: für Intuition, für Körperlichkeit, für das Material selbst.
Kunst kennt diese Momente seit jeher. Im Surrealismus versuchten Künstler:innen, den Verstand auszuschalten und dem Unbewussten Raum zu geben – Zeichnungen entstanden ohne Plan, geführt von der Hand, nicht vom Kopf. Später machte der Abstrakter Expressionismus die Geste sichtbar: Farbe tropfte, floss, schleuderte über die Leinwand, etwa bei Jackson Pollock. Das Bild war nicht mehr Entwurf, sondern Ereignis. Auch existenziell aufgeladene, verzerrte Figuren wie bei Francis Bacon erzählen von einer Welt, die aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Diese künstlerischen Spuren zeigen: Kontrollverlust kann produktiv sein. Er setzt Energie frei. Er macht Kunst unmittelbarer, ehrlicher, lebendiger.
In unserer Ausstellung Kontrollverlust versammeln sich Arbeiten, die genau an dieser Schwelle entstehen: zwischen Planung und Zufall, zwischen Form und Auflösung, zwischen Festhalten und Loslassen. Manche Bilder wachsen aus schnellen Gesten, andere aus Überlagerungen, Brüchen oder bewussten Störungen. Prozesse bleiben sichtbar, Spuren dürfen bleiben, Fehler werden zu Möglichkeiten.
Als Kunstverein, der im öffentlichen Raum ausstellt, verstehen wir diesen Ansatz auch als Einladung: nicht alles muss festgelegt sein, nicht alles perfekt. Kunst darf experimentieren, darf riskieren, darf sich verändern – so wie auch unser Blick auf die Welt sich ständig wandelt.
Kontrollverlust ermutigt dazu, Unsicherheiten auszuhalten und darin Freiheit zu entdecken. Denn oft beginnt genau dort, wo die Kontrolle endet, die eigentliche Erfahrung: ein Staunen, ein neues Sehen, ein anderer Zugang.
Wir laden Sie ein, diese Offenheit mitzuerleben – und sich von der Energie des Ungeplanten überraschen zu lassen.
Die Ausstellung findet vom 30. August bis 30. Oktober 2026 in der Stadtbibliothek Papenburg statt:
Stadtbibliothek Papenburg
– Villa Dieckhaus –
Hauptkanal rechts 78
26871 Papenburg
Die Ausstellung kann während der Öffnungszeiten der Stadtbibliothek kostenfrei besucht werden.
Es werden Führungen angeboten.
Bitte in unseren Events nachschauen und dort buchen oder über mail@papenburg.art anmelden